Der Druck steigt vor dem Bergischen Derby

Nach der vermeidbaren Niederlage in Coburg muss der VfL Gummersbach zu Hause in der SCHWALBE Arena mit Unterstützung seiner Fans gegen den Bergischen HC unbedingt gewinnen.

VfL Gummersbach – Bergischer HC (Samstag, 19 Uhr, SCHWALBE arena).

VfL-Geschäftsführer Frank Flatten brachte es unmittelbar nach der bitteren 30:31-Niederlage bei Schlusslicht HSC 2000 Coburg auf den Punkt: „Im Heimspiel gegen den Bergischen HC sind wir zum Siegen verdammt.“ In der Tat, denn vier Spieltage vor dem Saisonfinale am 10. Juni ist die Abstiegszone noch enger zusammengerutscht und mit Ausnahme der Coburger, die trotz des Sieges gegen den VfL wohl wieder den Weg in die Zweitklassigkeit einschlagen müssen, ist um die restlichen zwei Abstiegsplätze ein harter Fünfkampf ausgebrochen – und unser VfL mit 19:41 Punkten mitten drin. Und unser bergischer Nachbar, der nach der Hinrunde schon abgeschlagen schien, aber in der Rückrunde eine erstaunliche Aufholjagd startete, liegt mit 18:42 Punkten nur einen Zähler hinter den Schützlingen von Interimstrainer Sead Hasanefendic. Wenn also die abgedroschene Floskel von einem sogenannten „Vier-Punkte-Spiel“ auf eine Partie zutrifft, dann auf das bergische Derby am Samstag in der SCHWALBE arena.

„Jetzt müssen wir halt zu Hause mit Unterstützung unserer tollen Fans die Weichen stellen“, erklärt Hasanefendic nach der äußerst ärgerlichen Niederlage in Coburg. Und natürlich weiß der erfahrene Trainerfuchs genau, dass der Druck auf seine Mannschaft nun noch einmal steigt: „Die psychische Belastung ist höher.“ Vor allem die Torhüter Carsten Lichtlein und Matthias Puhle stehen im Fokus, denn ihre Leistung kann entscheidend sein. Grundsätzlich ist aber der komplette Kader gefordert, und der Trainer ist dabei sehr guter Dinge: „Natürlich sind unsere personellen Möglichkeiten begrenzt, aber die Jungs geben alle Gas.“

Christoph Schindler marschiert zum Beispiel nicht erst seit Coburg voran, und auch ein Andreas Schröder hat beweisen, dass er die Last stemmen kann, die nach dem Ausfall von Julius Kühn auf ihm lastet. Für besagten Kühn kommt ein Einsatz am Samstag wohl noch zu früh, aber spätestens für das nächste Heimspiel gegen Göppingen plant Hasanefendic ihn fest ein: „Natürlich müssen wir noch abwarten, aber Julius ist bereits wieder ganz nah am normalen Mannschaftstraining.“ Den Gegner bezeichnet er als durchaus unangenehmen Konkurrenten, der kämpferisch überzeugt und schnelle, bewegliche Spieler in seinen Reihen hat.

Man muss sich nicht nur die Serie des Bergischen HC in der Rückrunde, in der die Schützlinge von Trainer Sebastian Hinze mit der erstaunlichen Bilanz von 13:13 Punkten eine ausgeglichene Bilanz aufweisen, betrachten, um auf die Schwere der Aufgabe von Christoph Schindler & Co. hinzuweisen. Auch ein Blick auf die letzten zwei Spieltage zeigt deutlich, dass der BHC den Kampf um den Klassenerhalt noch längst nicht verloren gibt. So brachten die Handballer aus Solingen und Wuppertal am vergangenen Mittwoch sogar den Deutschen Meister Rhein-Neckar-Löwen in eigener Halle an den Rand einer Niederlage. Jedenfalls hielt die Hinze-Truppe die Partie in der Mannheimer SAP-Arena bis zum 25:25 völlig offen, ehe die Rhein-Neckar-Löwen auf ihrem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung am Ende sich über einen etwas schmeichelhaften 31:28-Erfolg freuen konnte. Und waren es in Mannheim die BHC-Angreifer, die mit ihren 28 Toren durchaus ein Ausrufezeichen setzen konnte, so war es am vergangenen Samstag die Abwehr und der isländische Nationaltorhüter Björgvin Gustavsson, die gegen die HSG Wetzlar Beton anrührten und am Ende einer hochdramatischen Partie nur 18 Gegentore (!) kassierten und mit dem 18:18 einen weiteren wertvollen Punkt im Abstiegskampf sicherten.

Der BHC startete seine Aufholjagd im Abstiegskampf ausgerechnet in der siegreich beendeten Partie bei den Füchsen Berlin, in der sich der reaktivierte Spielmacher Viktor Szilagyi, der eigentlich seine erfolgreiche Karriere schon beendet hatte und als Sportlichen Leiter ins Management beim BHC aufgestiegen war, einen Kreuzbandriss zuzog und somit seiner Mannschaft in dieser Saison auf dem Spielfeld nicht mehr helfen konnte. Szilagyi hatte aber nur deshalb die Handballschuhe noch einmal geschnürt, weil der BHC in der Hinrunde von einem unglaublichen Verletzungspech gebeutelt war. Inzwischen hat Trainer Hinze, bis auf Maximilian Hermann, der zusammen mit Kreisläufer Moritz Preuss in der kommenden Saison bekanntlich das VfL-Trikot tragen wird, aber wieder alle Mann an Bord – und dementsprechend sind auch die Ergebnisse nach der WM-Pause.

Der BHC war ohnehin mit viel Optimismus in die Saison 2016/17 gestartet – auch ohne seinen langjährigen Denker und Lenker, Viktor Szilagyi. Schließlich hatte der BHC mit dem tschechischen Mittelmann Tomas Babak und dem serbischen Kreisläufer Uros Vilovski zwei international erfahrene Neuzugänge verpflichtet. Und in BHC-Verantwortlichen legten im vergangenen September noch einmal nach, als sie auf die Verletzung von Maximilian Hermann reagierten und den rumänischen Internationalen Bogdan Criciotoiu, der schon einige Jahre Champions-League-Erfahrung mitbringt, für die halbrechte Rückraumposition verpflichteten.

Nimmt man den BHC-Kader mal genauer unter die Lupe, dann ist ein ausgesprochener Star Fehlanzeige, vielmehr ist die mannschaftliche Geschlossenheit die Stärke der Hinze-Truppe. Das fängt auf der Torhüterposition an, wo der Isländer Björgvin Gustavsson zuletzt stets glänzende Kritiken erhielt, der aber mit dem jungen Christopher Rudeck aber auch einen guten Mann an seiner Seite weiß. Und aus der Rückraumreihe kann jeder Akteur, egal ob Fabian Gutbrod, Alexander Hermann, Ace Jonovski, Tomas Babek, Kristian Nippes, Bogdan Criciotoiu oder Maciej Majdzinski, je nach Tagesform, ein Spiel entscheiden. Und am Kreis hat Hinze mit Jung-Nationalspieler Moritz Preuss und dem erfahrenen Uros Vilovski ebenfalls die Qual der Wahl, während Rechtsaußen Arnor Gunnarsson und Linksaußen Christian Hoße die erste Wahl bei der gefährlichen Flügelzange sind.

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