Gummersbach dreht gegen Göppingen Acht-Tore-Rückstand in ein dramatisches Unentschieden

30. April 2026

Am 30. Spieltag der DAIKIN HBL hat der VfL Gummersbach am Donnerstagabend sein viertes Unentschieden eingefahren. In der ausverkauften SCHWALBE arena trennten sich die Mannschaft von Cheftrainer Gudjon Valur Sigurdsson und die Gäste von FRISCH AUF! Göppingen vor 4.132 Zuschauern mit 29:29 (12:19). In einer aufregenden Partie zeigten die Gummersbacher in der ersten Spielhälfte Nervosität und fanden zu keinem Zeitpunkt in die Partie. Nach einem zwischenzeitlichen Acht-Tore-Rückstand kurz nach dem Wiederanpfiff leiteten die Oberbergischen die Wende ein und manövrierten sich zurück ins Spiel. In einer dramatischen Schlussphase erarbeiteten sich die Blau-Weißen einen Punkt und verteidigen mit einem Punktekonto von 44:16 ihren vierten Tabellenplatz.

Die Gummersbacher erwischten einen sauberen Einstand und gingen nach zwei Minuten durch die Tore von Miro Schluroff und Teitur Einarsson, dessen Vertragsverlängerung vor dem Anpfiff bekannt gegeben worden war, mit 2:0 in Führung. Die eine oder andere unglückliche Szene der Gastgeber mündete allerdings wenig später in einen 2:4-Rückstand (8. Minute). Die Oberbergischen taten sich im Angriff schwer und ließen in der Abwehr den richtigen Zugriff vermissen. Dagegen spielten die Göppinger ihre Angriffe effizienter aus und vergrößerten den Abstand bis zur 15. Minute auf fünf Tore (5:10). Auch eine zwischenzeitliche Auszeit von Sigurdsson brachte zunächst keine Ruhe ins Gummersbacher Spiel.

Immer wieder leisteten sich die Blau-Weißen in der Defensive wie in der Offensive Fehler, wodurch sie in Minute 18 gar mit 6:12 ins Hintertreffen gerieten. Gegen eine hochkonzentrierte Göppinger Mannschaft ließ das Sigurdsson-Team nur phasenweise seine Spritzigkeit aufblitzen, so beispielsweise beim Treffer zum 9:13 durch Kentin Mahé (23. Minute). Für eine Aufholjagd reichte es dennoch nicht, weil die Hausherren zumeist nicht druckvoll und konsequent genug agierten. Der VfL kam vorwiegend über Einsatz und Willen, jedoch landeten auch die zweiten Bälle meist bei den Gästen aus Göppingen, die sich als deutlich effizienter erwiesen. So ging es für die Blau-Weißen sogar mit einem Sieben-Tore-Rückstand von 12:19 in die Halbzeitpause.

Mit einer Siebenmeterparade von Dominik Kuzmanović in der 31. Minute begann der zweite Durchgang. Auf der Gegenseite standen sich die Gummersbacher jedoch durch Unsicherheiten und falsche Entscheidungen selbst im Weg, um den Abstand zu FRISCH AUF! zu verringern. Stattdessen lagen in der 35. Minute erstmals acht Tore zwischen den beiden Mannschaften (13:21). Zwei Tore vom Kreis durch die jeweils einlaufenden Außen Tilen Kodrin und Matthis Häseler, der nach überstandener Fußverletzung erstmals wieder auf der Platte stand, sowie ein verwandelter Strafwurf von Miloš Vujović zum 16:21 ließen die Hoffnung der VfL-Anhänger auf eine Aufholjagd aufleben (38. Minute). Unter der lautstarken Unterstützung der Zuschauer und dank des Rückhalts durch Keeper Kuzmanović vollendeten die Gastgeber in der 42. Minute einen 5:0-Lauf zum 18:21.

Nach einem Ballgewinn durch Ellidi Vidarsson verwandelte Kodrin per Konter in der 47. Minute zum 20:22 und leitete eine enge Schlussphase ein. Die Oberbergischen blieben nun beharrlich und kämpften sich weiter heran. Vom Siebenmeterstrich sorgte Vujović in der 49. Minute für den Anschlusstreffer (23:24). Auch als es den Gästen gelang, sich abzusetzen und wieder auf drei Tore davonzuziehen (24:27, 53. Minute), ließen sich die Gummersbacher nicht beirren. Insbesondere die Kaltschnäuzigkeit von Vujović aus sieben Metern hielt den VfL im Spiel, der nach erneuter Parade von Kuzmanović in den Minuten 57 und 58 allerdings gleich drei Chancen zum Ausgleich verpasste. Stattdessen folgte in Minute 59 ein weiterer Zwei-Tore-Rückstand (27:29). Nach der darauffolgenden Auszeit durch Sigurdsson versäumte zunächst Kay Smits den Anschlusstreffer (59. Minute), ehe Vujović per Strafwurf auf 28:29 verkürzte (60. Minute). In den Schlusssekunden führte ein Ballgewinn durch Kodrin zu einem letzten VfL-Angriff, den Schluroff mit der Schlusssirene zum 29:29-Ausgleich in die Maschen setzte.

Am Sonntag, den 10. Mai, findet das nächste Bundesligaspiel des VfL Gummersbach statt. Um 16:30 Uhr gastiert das Sigurdsson-Team dann beim HC Erlangen.

 

Trainerstimmen:

Gudjon Valur Sigurdsson (VfL Gummersbach): Es war ein absolut unverdienter Punkt für uns. Göppingen hat das heute fantastisch gemacht. Ich habe im Vorfeld bereits gesagt, dass ich riesigen Respekt davor habe, was Göppingen in den letzten Monaten geleistet hat. Wir wussten, dass sie kompromisslos in die Zweikämpfe gehen. Göppingen war die viel bessere Mannschaft und hat uns vor Probleme gestellt, um die wir aber wussten. Was sie uns in puncto Einsatz, Wille und Kampf gezeigt haben, war vorbildlich. Das haben wir selbst nicht auf die Platte gebracht haben. Wir haben unzählige Bälle weggeschmissen und hatten 15 technische Fehler. Unsere Würfe waren effektiv, aber in den Zweikämpfen waren wir lustlos. Das werde ich nicht akzeptieren. Unsere Abwehr hat am Anfang ohne Berührungen gespielt und ohne die Lust unser VfL-Logo zu verteidigen. Wir wurden in der Halbzeit trotz des Rückstands mit Applaus verabschiedet. Ich muss ein Kompliment an unsere Halle geben, wie die Zuschauer uns gepusht und nach vorne gebracht haben. Das war überragend. Miro hat sich im Spiel den Finger ausgekugelt, kommt dann wieder rein und macht das fast im Alleingang. Im zweiten Durchgang kam auch die Abwehr auch besser in Schwung, aber unter Druck haben wir uns heute nicht wie eine Spitzenmannschaft verhalten. Mir ist es egal, wie viele Spiele wir vorher gewonnen haben. Man ist nur so gut wie die letzte Leistung. Danke für den Punkt, aber verdient ist er nicht.

Ben Matschke (FRISCH AUF! Göppingen): Glückwunsch zum Punkt an den VfL. Ich bin heute sehr begeistert von der Leistung meiner Mannschaft auch nach den kurzfristigen Ausfällen, auch von Ole Pregler. Wir haben es fantastisch gemacht und Gummersbach in vielen Situation vor große Probleme gestellt. Das Sieben-gegen-sechs hat Passivität hervorgerufen. Wenn die Situation so ist wie in der letzten Minute, gewinnst du in neun von zehn Fällen. Aber da haben wir die Bälle weggeschmissen. Insgesamt haben wir heute zwei Abwehrreihen gesehen, die Bock hatten zu verteidigen. Für Kenner war das ein gut vorbereitetes Spiel. Ich nehme viel daraus mit, gerade aus der Zeit um die 50. Minute, als der VfL auch in Führung hätte gehen können. Da haben wir es geschafft wieder auf drei Tore davonzuziehen. Wie in dem Moment die Kommunikation vorne und hinten funktioniert hat, hat mich begeistert. Ich wünsche dem VfL alles Gute seine Ziele zu erreichen. Es war eine tolle Atmosphäre hier, die Lust auf mehr macht.

Foto: Philipp Ising