Zwischenfazit nach neun Spieltagen – Interview mit Torge Greve

Das erste Viertel der Saison liegt hinter dem VfL Gummersbach. Nach neun Spieltagen steht ihr mit 11:7 Punkten bei fünf Siegen, drei Niederlagen und einem Unentschieden auf dem fünften Tabellenplatz der 2. HBL. Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Leistung deiner Mannschaft?

Torge Greve: Wir haben in diesem Sommer einen großen Umbruch vollbracht, zum einen durch die Veränderung der Liga, aber eben auch durch viele Personalwechsel. Daher mussten wir erst einmal zueinanderfinden. In der Vorbereitung hatten wir ein paar gute und ein paar schwächere Spiele. Bezüglich des Saisonstarts war mir aber auch klar, dass wir bei dem Anfangsprogramm in Coburg und Schwartau durchaus mal den ein oder anderen Rückschlag bzw. die eine oder andere Niederlage hinnehmen müssen. Grundsätzlich waren wir nach sieben Ligaspielen im Soll. Die Niederlage in Emsdetten allerdings schmerzte schon sehr. Das war eine Niederlage, die wir zum jetzigen Zeitpunkt hätten verhindern müssen und die so nicht passieren darf, auch wenn Emsdetten sicherlich besser ist als ihr aktueller Tabellenplatz. Aber das war die einzige Niederlage, die richtig wehtat.

Woran hat es gelegen, dass die Mannschaft dort kurz vor Schluss noch eine Vier-Tore-Führung eingebüßt hat?

Torge Greve: Als wir mit vier Toren geführt haben – das war das 19:15 – da waren noch genau 15 Minuten zu spielen. In der Folge haben wir zwei, drei freie Würfe gehabt, die die Jungs normalerweise in jedem Training einhundert Mal ins Tor bringen, aber in dieser Situation war es eben nicht so. Genau das ist aber leider das, worauf es dann ankommt, dass man in der entscheidenden Phase diese Bälle unterbringt. Wenn man das nicht macht, holt man die andere Mannschaft wieder zurück ins Spiel, die Zuschauer in der Halle kommen wieder. Dort waren wir nicht stabil genug, was das mentale Auftreten angeht, um sich dagegen zu wehren und zu sagen: So, wir gewinnen dieses Spiel jetzt einfach.

Was erhoffst du dir diesbezüglich von deiner Mannschaft in den nächsten Spielen?

Torge Greve: Wir müssen uns auf das besinnen, was uns stark macht, also eine gute, harte Abwehr stellen und daraus resultierend uns vorne unsere Sicherheit erarbeiten. Auch beim Spiel in Emsdetten war nicht alles schlecht. Schlussendlich geht es aber darum, dass man seine Leistung über 60 Minuten abruft, auch in der 2. HBL, die sehr konstant ist und nicht so große Ausreißer hat. Mit den drei gewonnenen Spielen vor Emsdetten sind wir schon einmal in die richtige Richtung gegangen. Die Jungs merken dann auch im Training, dass es mehr Spaß macht zu gewinnen. Die Stimmung ist besser, das Training ist angenehmer, aber eben auch, wenn man sich privat hier im Ort bewegt, ist alles einfach viel angenehmer, wenn man gewinnt. Deshalb erhoffe ich mir einfach, dass wir jetzt wieder eine kleine Serie starten.

Den Anfang dazu habt ihr mit dem hohen Sieg gegen Krefeld schon gemacht.

Torge Greve: Das stimmt. Ich habe von den Jungs definitiv eine Reaktion auf das verlorene Spiel in Emsdetten erwartet und die haben sie auch abgeliefert. Auch für unsere Fans freut mich das natürlich sehr, denn unsere Kulisse in der SCHWALBE arena ist immer sehr, sehr gut und ich bin wirklich positiv überrascht über die Resonanz auch in der 2. HBL. Und dann geht es eben in unseren Heimspielen auch darum, dass man den Fans etwas zurückgibt.

Was sind Punkte, in denen du trotzdem noch Verbesserungspotenzial siehst?

Torge Greve: Grundsätzlich spreche ich die Jungs immer an, was wir noch ändern können. Verbessern kann man schließlich immer etwas und als Trainer ist das sowieso immer im Denkprozess verankert und man guckt sich links und rechts an, wie es die anderen Mannschaften machen. Aber in Anbetracht unserer Mannschaft mit diesem Potenzial und mit dieser Qualität, die wir haben, aber auch mit seinen diversen Baustellen, die man immer hat, geht es darum herauszufinden, wie man seine beste Leistung auf die Platte bringt. Als Trainer ist es dann meine Aufgabe zu sehen, welche Spieler aktuell in guter Form oder prädestiniert für den Gegner sind. Dementsprechend müssen wir da den Hebel ansetzen.

Auffällig ist, dass ihr zu Hause bisher nur einen Punkt gegen den derzeitigen Tabellenführer TUSEM Essen abgegeben habt. Auswärts stehen allerdings drei Niederlagen und nur ein Sieg zu Protokoll. Wie sind diese Unterschiede zwischen den starken Heimspielen und den auswärts zumindest weniger erfolgreichen Spielen zu erklären und was kann man dagegen tun?

Torge Greve: Das ist definitiv ein Markenzeichen der 2. HBL, dass Mannschaften zu Hause anders auftreten als auswärts. Leider reihen wir uns da im Moment ein bisschen mit ein. Schon seit Jahren gibt es die Erkenntnis, dass es Mannschaften gibt, die zu Hause wirklich sehr, sehr stark sind aufgrund des eigenen Publikums und des Selbstbewusstseins, das aber dann eben auswärts nicht auf die Platte bringen. Bei uns ist das so, dass wir in unserem Findungsprozess schon sehr weit sind und in dem, wie wir zusammenarbeiten und zusammenkommen. Aber so eine Saison hat auch ganz viele Phasen und den Prozess, dass wir als Mannschaft wirklich ein festes Gebilde sind, haben wir noch nicht komplett abgeschlossen. Deswegen ist es auswärts schwerer, wenn man Gegner hat, die selbstbewusst auftreten, die gegnerischen Fans Druck machen, man eine fremde Umgebung und teilweise eine lange Anfahrt hat. Das sollen natürlich keine Ausreden sein, aber das sind alles Faktoren, die für einen selbst doch leistungsminimierender sind und den Gegner hochpushen. Im Moment fehlt uns da noch die Stabilität, um dann auswärts eben auch kritische Phasen zu überstehen. Grundsätzlich sind wir jedem Gegner zumindest ebenbürtig – auch den Spitzenmannschaften – aber gerade deshalb muss man gerade auswärts stabil und fest in seinen Abläufen sein und daran arbeiten wir momentan.

Das Interview führte Alexander Mouzaidis.

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