Sensationeller VfL besiegt Rhein-Neckar Löwen

Photos: Philipp Ising

Diesen Donnerstagabend werden die Zuschauer in der SCHWALBE arena so schnell nicht mehr vergessen. Nach der Durststrecke von acht Spielen ohne Sieg und mit nur einem Unentschieden hat der VfL ausgerechnet gegen die Spitzenmannschaft der Rhein-Neckar Löwen den ersten doppelten Punktgewinn im Kalenderjahr 2019 eingefahren. Mit 28:23 (13:11) besiegten die Gummersbacher am 26. Spieltag der Handball-Bundesliga den Favoriten aus Mannheim. Vor 2.522 Zuschauern in der SCHWALBE arena demonstrierten die Oberbergischen absoluten Siegeswillen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten kamen die Gummersbacher immer besser ins Rollen und setzten sich schlussendlich verdient gegen die Gäste aus Mannheim durch.

Die ersten Minuten der Partie verschliefen die Gummersbacher. Ein starker Antritt von Marvin Sommer, der in der zweiten Minute im Alleingang das erste Tor für den VfL erzielte, sollte bis zum 1:5 (5. Minute) den einzigen Treffer der Blau-Weißen markieren. Die anschließende Auszeit von VfL-Coach Torge Greve sollte allerdings eine Wende geben, mit der zu diesem Zeitpunkt wohl kaum jemand gerechnet hätte. Während die Abwehr an Aggressivität zunahm, zog Carsten Lichtlein den Löwen nun ein ums andere Mal den Zahn. Nach 30 Minuten konnte er bereits zehn Paraden auf seinem Konto verbuchen. Zusammen mit seinem starken Mittelblock aus Alexander Becker und Stanislav Zhukov, an dessen Block die Löwen in der Folgephase immer wieder scheiterten, schufen sie die Basis für die Aufholjagd der Gummersbacher. Pouya Norouzi und Moritz Preuß verkürzten zur siebten Minute auf 3:5. Im Anschluss blieb es bei einem konstant leichten Rückstand der Gummersbacher, die sich im Angriff teilweise noch schwertaten und noch nicht ganz an die Löwen herankamen.

Nachdem sich die knappe Führung der Gäste beim 7:10-Zwischenstand in der 23. Minute eingependelt zu haben schien, legten die Hausherren noch einmal einen Gang zu. Langsam kehrte auch in die Angriffsbemühungen der Oberbergischen die lang ersehnte Sicherheit zurück. Drei Treffer in Folge konnte der VfL, der mit jedem Angriff selbstbewusster wurde, für sich verbuchen und damit in Person von Preuß in der Schlussphase des ersten Durchgangs den 10:10-Ausgleich erzielen (26. Minute). Von den eigenen Fans getragen spielten die Hausherren nun wie entfesselt auf. Nach einem Gegentreffer der Rhein-Neckar Löwen (10:11, 27. Minute) gelang dem Bundesliga-Dino ein erneuter 3:0-Lauf, den Eirik Köpp mit dem 13:11 in Minute 30 krönte.

Mit der Zwei-Tore-Führung im Rücken zeigten sich die Gummersbacher auch im zweiten Durchgang vorne kreativ und hinten stabil. Neben dem weiterhin überragenden Lichtlein im Gummersbacher Kasten präsentierten die Blau-Weißen im Angriff im Kollektiv, was in ihnen steckt. In der 35. Minute war es erneut Köpp, der absolute Trefferlaune bewies und zum 16:14 einnetzte. Die SCHWALBE arena kochte, während die Spieler auf dem Parkett zu keiner Zeit nachließen und weiter mutig aufspielten. Vor allem die leichten Lösungen waren es, die den VfL in der Offensive immer wieder zum Erfolg führten. In der 44. Minute traf Sommer zum 19:17, fünf Minuten später warf Ivan Martinovic sogar den Treffer zur Vier-Tore-Führung für den VfL (22:18, 49. Minute). Zu diesem Zeitpunkt waren die Gummersbacher längst die dominierende und eindeutig spielbestimmende Mannschaft.

Auch die Schlussphase gehörte komplett der Heimmannschaft, die sich zu keiner Zeit eine Schwächephase erlaubte und vor Leidenschaft und Spielfreude regelrecht strotzte. In der Abwehr agierten die Gummersbacher mit der nötigen Härte, um die Gäste aus Mannheim am Nerv zu treffen. Der sensationell aufgelegte Lichtlein tat sein Übriges dazu. Die Zuschauer in der Halle standen beinahe ununterbrochen, während der VfL weitermarschierte und seine Führung sogar noch ausbaute. Nach 52 Minuten war der VfL durch einen Treffer des hervorragend aufspielenden Martinovic zum ersten Mal mit fünf Toren in Front (24:19). Von der Euphorie beflügelt durchbrachen die Gummersbacher jede Bemühung der Rhein-Neckar Löwen zurück ins Spiel zu finden. Das abschließende Tor durch Pouya Norouzi in den letzten Sekunden der Partie krönte die überragende Mannschaftsleistung der Gummersbacher, die die Mannheimer mit 28:23 besiegten.

Durch den so wichtigen Sieg über die Rhein-Neckar Löwen bewies der VfL, dass sie der erste Anwärter im Kampf um den Klassenerhalt bleiben wollen. Mit dem nötigen Biss und der wiedergewonnen Selbstsicherheit haben die Gummersbacher im Abstiegskampf ein Ausrufezeichen an die Kontrahenten aus Bietigheim und Ludwigshafen gesetzt. Entsprechend gestärkt sollte es nun für die Mannschaft von Trainer Torge Greve in die Länderspielpause gehen, in der auf der heutigen Leistung des Teams aufgebaut werden kann.

 

Trainerstimmen:

Torge Greve (VfL Gummersbach): Ich habe von meinen Jungs heute zunächst einmal nur erwartet, dass sie einhundert Prozent von dem einwerfen, was sie können. Das haben sie heute auch gemacht. Die Rhein-Neckar Löwen waren heute aber auch nicht so gut wie wir es eigentlich erwartet haben. Als es zu Beginn 1:5 stand, haben wir erst befürchtet, dass das nun so weiter geht, haben uns davon aber auch nicht verunsichern lassen. Wir haben uns ins Spiel reingekämpft und dann kamen die Paraden von Lütti dazu, der heute endlich wieder der Lütti war, wie wir ihn kennen. Wir hatten zwar in der zweiten Halbzeit ganz am Anfang wieder ein paar Probleme mit Pettersson, aber man kann auch nicht jeden Ball gegen eine solche Mannschaft wie die Rhein-Neckar Löwen verteidigen. Dann kamen auch unsere Tore von Köpp und Martinovic dazu, die heute richtig aufgetrumpft haben. Ich freue mich ganz besonders für meine Jungs, dass sie sich heute endlich einmal für die gute Trainingsarbeit und all das, was sie Tag für Tag tun, belohnt haben.

Nicolaj Jacobsen (Rhein-Neckar Löwen): Herzlichen Glückwunsch an den VfL zu einem hochverdienten Sieg. Wir hatten heute eigentlich einen ganz guten Anfang, aber konnten diesen nicht nutzen. Wir haben dann das Tempo gedrosselt und Lichtlein hatte einige gute Paraden, so dass wir die Anfangsführung nicht ausbauen konnten. Wir haben danach auf einem sehr schlechten Niveau gespielt. Nach 20 Minuten hat unsere Abwehr nicht mehr gut gespielt. In der zweiten Halbzeit haben dann auch noch Köpp und Martinovic aus einer unglaublichen Weite Tore gemacht, die wir nicht verhindern konnten. Und wenn wir uns eine Chance rausgespielt haben, haben wir sie verworfen. So kann man ein Spiel eben auch nicht gewinnen. Vor dem Spiel am Samstag gegen Nantes müssen wir uns nun deutlich steigern.

VfL gastiert am Donnerstag in Magdeburg

Am kommenden Donnerstag, den 23. Mai, bestreitet der VfL Gummersbach gegen den SC Magdeburg seine Partie des 32. Spieltags der Handball-Bundesliga. Anpfiff in der Magdeburger GETEC Arena ist um 19 Uhr. Die Rollenverteilung vor der Begegnung ist klar. Der SCM empfängt den VfL als Viertplatzierter der Tabelle und kämpft im Fernduell mit den Rhein-Neckar Löwen […]

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