Kurtagic fordert Steigerung gegen Melsungen

Am Mittwoch (19 Uhr) gastiert die MT Melsungen in der SCHWALBE arena, und der VfL hat sich einiges vorgenommen. Nationalspieler morgen schon wieder im Training.

VfL Gummersbach – MT Melsungen (Mittwoch, 19 Uhr, SCHWALBE arena).

Die DKB Handball-Bundesliga startet so langsam in das letzte Drittel der Saison 2016/17. Und mittlerweile zeichnen sich auch schon die ersten Entscheidungen ab. So dürften Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt (41:3) und Titelverteidiger Rhein-Neckar Löwen (37:5) den Titel unter sich ausmachen, wenn auch Rekordmeister THW Kiel (38:8) noch nicht gänzlich abzuschreiben ist.

Während es im Titelkampf also auf einen Zwei- bzw. Dreikampf hinausläuft, steckt im Abstiegskampf deutlich mehr Brisanz: Durch die letzten Punktgewinne des HSC 2000 Coburg (9:37) und des Bergischen HC (11:35), die zwischenzeitlich schon abgeschlagen schienen, ist der Kreis der Abstiegskandidaten wieder enger zusammengerückt. Nach dem derzeitigen Tabellenstand müssen insgesamt sieben Mannschaften um den Klassenerhalt fürchten, wobei der Kreis der gefährdeten Teams bis zum Tabellen-12. TSV GWD Minden (17:29) reicht.

Und nach der ebenso bitteren wie vermeidbaren Heimniederlage gegen die HSG Wetzlar und der erwarteten Schlappe in der Kieler Sparkassen-Arena steckt unser VfL Gummersbach (15:29) also mitten in diesem Pulk. Dies zeigt, welche Bedeutung für die Schützlinge von Trainer Emir Kurtagic das nächste Heimspiel gegen den MT Melsungen bedeutet, zumal danach drei äußerst schwere Auswärtsaufgaben (SC Magdeburg, Rhein-Neckar Löwen und SC DHfK Leipzig) auf Christoph Schindler & Co. warten.

Die Gummersbacher Nationalspieler Carsten Lichtlein, Simon Ernst und Julius Kühn waren am heutigen und am gestrigen Tag noch im Länderspieleinsatz gegen Schweden, ebenso wie der kommende Gegner Michael Allendorf auf Linksaußen. Nach der Niederlage in Schweden am Samstag, erreichte das DHB-Team heute zu Hause in Hamburg ein 25-25-Unentschieden. Vor allem Lichtlein bekam viele Spielanteile, aber auch Ernst und Kühn konnten sich auszeichnen. „Ich freue mich für die Jungs, aber es ist natürlich schade, wenn drei wichtige Spieler mehr als fünf Tage fehlen“, so Trainer Emir Kurtagic, der mit den verbliebenen Akteuren intensiv arbeitete.

Gegen Melsungen müsse vor allem die Defensivarbeit wieder besser funktionieren als zuletzt zu Hause gegen Wetzlar und in Kiel: „Da gilt es anzusetzen. Melsungen ist eine Klassemannschaft, die uns alles abverlangen wird.“ Und natürlich hat auch diese Partie einen richtungsweisenden Charakter, zumal im Anschluss drei Auswärtsspiele folgen. „Natürlich wollen wir die Partie zu Hause gewinnen, um den Abstand nach unten auszubauen und den Druck nicht zu groß werden zu lassen“, so Kurtagic abschließend.

Wenn man den bisherigen Saisonverlauf der beiden kommenden Kontrahenten analysiert, dann steht fest, dass sowohl unser VfL als auch die Gäste aus Nordhessen bisher hinter den selbstgesteckten Saisonerwartungen zurückgeblieben sind. Genau wie der 13. Tabellenplatz für den VfL nicht befriedigt, hatte sich auch das Ensemble von Trainer Michael Roth mehr als den bisherigen 10. Tabellenplatz (19:27) ausgerechnet. So wurde vor der Saison von den MT-Verantwortlichen die Bestätigung des 4. Tabellenplatzes aus der Vorsaison als Saisonziel ausgegeben – und sich damit auf jeden Fall wieder für das internationale Geschäft qualifizieren. Im laufenden EHF-Cup-Wettbewerb haben die Melsunger als Tabellenführer der Gruppe D (zuletzt gab es einen klaren 28:22-Sieg gegen Helvetia Anaitasuna) zwar noch gute Chancen, sich für das „Final 4“ im EHF-Cup zu qualifizieren, aber ob die erneute Qualifikation für einen internationalen Startplatz gelingt, ist bei dem derzeitigen Tabellenstand mehr als fraglich.

Dass die Nordhessen bisher hinter den eigenen Ansprüchen zurückgeblieben sind, hängt auch mit dem Verletzungspech zusammen. So hat beispielsweise Neuzugang Gabor Langhans noch kein einziges Saisonspiel für den MTM bestritten, und auch der Ausfall von Kreisläufer Marino Maric wiegt schwer. Diese beiden Akteure befinden sich zwar auf dem Weg der Genesung, ob aber ein Einsatz in Gummersbach schon in Frage kommt, muss abgewartet werden. Auf keinen Fall mit von der Partie wird dagegen Rechtsaußen Johannes Sellin sein, der sich einen Muskelbündelriss in der rechten Wade zuzog und eine vierwöchige Zwangspause einlegen muss. Der Ausfall von Sellin trifft Trainer Roth hart, denn der Nationalspieler führte mit 139 Toren, davon 46 Siebenmeter, die vereinsinterne Torschützenliste deutlich an und rangiert auch in der HBL-Torjägerliste auf Rang 2. Allerdings, mit dem Holländer Arjan Haenen verfügen die Nordhessen über eine starke Alternative und bildet zusammen mit Linksaußen Michael Allendorf mit Sicherheit eine starke Flügelzange.

Und auch den Ausfall von Gabor Langhans hat Melsungen gut kompensiert, denn im vergangenen Herbst wurde mit Dener Jaanimaa ein schussgewaltiger Rückraumschütze vom THW Kiel nachverpflichtet und bildet zusammen mit Michael Müller ein gefährliches Duo auf Halbrechts. Apropos Rückraum: Mit Spielmacher Patrik Fahlgren, Philipp Müller, Momir Rnic, Timm Schneider und Nenad Vuckovic verfügt Trainer Michael Roth zudem über fünf weitere torgefährliche Spieler im Rückraum, wodurch deutlich werden dürfte, vor welch schweren Aufgabe unsere Handballer in diesem Heimspiel stehen werden. Hinzu kommt, dass der schwedische Nationaltorhüter Johan Sjöstrand nach längerer Verletzungspause wieder zu seiner alten Form zurückgefunden hat und den VfL-Angreifern das Tore werfen sicherlich nicht leicht machen wird.

Und dann wäre da noch die Bilanz zwischen dem VfL und dem MT Melsungen. So ging schon das Hinspiel in der Kasseler Rothenbach-Halle verloren (28:32). Viel schlimmer wiegt aber die Tatsache, dass unser VfL in der SCHWALBE arena in allen drei bisherigen Heimspielen gegen die Nordhessen jeweils eine Niederlage (25:30, 26:32 und 26:27) bezogen hat. Nun gilt es, am Mittwoch diese Negativbilanz gegen die Nordhessen zu beendet, um mit einem Erfolgserlebnis etwas beruhigter in die kommenden schweren Aufgaben zu gehen

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