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Ausführliches Interview mit Nachwuchskoordinator Alois Mráz über den aktuellen Stand der Handballakademie, wie er die Arbeit des VfL in den letzten knapp 2 Jahren bewertet, wo die Stärken liegen und wo noch Luft nach oben herrscht. Hier gibt es den ersten Teil des ausführlichen Interviews.

Im Interview mit der Handballakademie steht aktuell natürlich vieles nicht-sportliche im Vordergrund. Dennoch besprechen wir hier mit Alois Mráz den aktuellen Stand der Handballakademie, wie er die Arbeit des VfL in den letzten knapp 2 Jahren bewertet, wo die Stärken liegen und wo noch Luft nach oben herrscht. Hier gibt es den ersten Teil des ausführlichen Interviews.

Alois, über allem steht aktuell die Frage nach dem Umgang mit dem Corona-Virus. Haben die Spieler der Akademie aufgrund der Anordnungen der Landesregierung nun trainingsfrei?

Nein, haben sie nicht. Sie können aktuell nur nicht im Mannschaftstraining trainieren. Das bedeutet wiederum, dass wir die Möglichkeit haben, aus der Situation in der Hinsicht Profit zu schlagen, dass wir in den anstehenden Wochen im individuellen Kraft- und Athletikbereich arbeiten können und so ganz andere Reize setzen können, als das regulär im Kraft- und Athletiktraining möglich wäre. Dafür ist es aber zwingend notwendig, dass die Spieler sich dieser besonderen Situation bewusst sind und daraus das für sie bestmögliche machen um nach der Pause noch fitter zurückzukommen als wir es jetzt waren. Das gilt natürlich auch und insbesondere in Bezug auf die angeschlagenen Spieler.

 

Knapp ¾ der Saison waren gespielt, bis die Aussetzung des Spielbetriebes verkündet wurde. Ward ihr überrascht von der Maßnahme oder war das zu erwarten?

Überrascht waren wir nicht. Wir haben gesehen welche Maßnahmen die betroffenen Länder umgesetzt haben. Es war der logische Schritt, der gegangen werden muss, um die Verbreitung des Virus‘ zu verlangsamen. Dass aber das Virus solch einschneidende Veränderungen für unser aller Alltag mit sich bringt, hätten wir – wie wohl die meisten anderen auch – so nicht erwartet.

 

Nun aber zum sportlichen Bereich und dem bisherigen Saisonverlauf. Bist du mit dem bisher Erreichten zufrieden?

Ich denke, dass wir im Wesentlichen und unter den Umständen sehr zufrieden sein können, mit dem was wir erreicht und geleistet haben. Gemessen an der Situation die sich nach dem Abstieg der ersten Mannschaft in die 2. Liga dargestellt hat, ist das was wir in den letzten neun Monaten erreicht haben wirklich gut. Man darf nicht vergessen, dass aufgrund des Abstieges einige Spieler, die zwar für den erweiterten Bundesligakader vorgesehen waren, aber im wesentlichen auch Einsatzzeiten in der 2. Mannschaft hätten erhalten sollen, nun gar nicht mehr oder nur noch sporadisch in der 2. Mannschaft eingesetzt werden konnten, da sie in der ersten Mannschaft gebraucht werden. Das ist aber natürlich genau unser Ziel, die Spieler dorthin zu bekommen, bedeutet aber aufgrund der letztendlich späten Klarheit darüber auch, dass für die Kader der U23 und U19 kaum mehr die Möglichkeit bestand nachzubessern. Somit mussten wir quasi mit einem Kader von 20 Spielern in die Saisons der dritten Liga sowie der JBLH gehen. Dass wir aktuell die Qualifikation für die nächstjährige JBLH sicher haben und momentan in der Meisterrunde auf dem 4. Platz stehen, der uns zu den besten acht Mannschaften in Deutschland macht  sowie auch mit der 2. Mannschaft über dem Strich stehen spricht für die Qualität unserer Spieler und auch unserer Ausbildung, die unsere Spieler hier erhalten. Nicht umsonst haben wir ja auch das Jugendzertifikat mit Stern verliehen bekommen, was uns eine exzellente Jugendarbeit bescheinigt. Und eben auch die Tatsache, dass aktuell sieben Spieler im Kader der Bundesliga Mannschaft stehen, die die Akademie durchlaufen haben, und immer wieder Spieler der unteren Jahrgänge in den höheren eingesetzt werden spricht für die Qualität unserer Arbeit.

 

Wo liegen die wesentlichen Bereiche, in den wir uns verbessern können?

Wir können uns immer und überall verbessern, das einmal vorne weg. Dazu kommt die allgemeine Athletik- und Kraftarbeit in der wir dauerhaft Entwicklungspotenzial haben. Hier sind wir aber in beiden Bereichen auf dem richtigen Weg und haben uns schon verbessert. Da Nachwuchsarbeit aber im Gegensatz zum Profisport deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, um Verbesserungen zu erzielen, werden wir hier erst mittelfristig wirklich greifbare Verbesserungen vermerken können. Ist die Basis besser ausgebildet, ist das Niveau der Spieler die oben herauskommen auch ein höheres. Dazu wollen wir weiter systematisch arbeiten und unsere Arbeitsstruktur verbessern. Damit meine ich die Trainingsmethodik die wir auf die Handballakademie VfL Gummersbach anpassen werden. Bis sich Veränderungen an der Basis oben auswirken dauert es aber eben Jahre. Und diese Zeit muss man dem System Nachwuchsleistungssport eben auch geben.

 

Was sind die Ziele der Mannschaften in der aktuellen Saison?

Mit der U19 haben wir das erste wesentliche Ziel, direkte Qualifikation für die JLBH 20/21 bereits erreicht. Weiteres Ziel hier wäre es gewesen, noch in die Endrunde der DM einzuziehen. Ob und wenn wie das aktuell überhaupt noch umsetzbar ist, steht in den Sternen.

Zielsetzung der 2. Mannschaft bleibt es weiterhin, den Klassenerhalt zu sichern, um auch zukünftig einen leistungsgemäßen Unterbau der Bundesliga aufrecht zu erhalten. Denn nur die wenigsten Spieler sind nach Verlassen der U19 so weit, bereits auf regelmäßige und dauerhafte Einsatzzeiten in der 1./2. Bundesliga zu kommen. Daher brauchen wir die 2. Mannschaft in der 3. Liga um den Spielern hier die Möglichkeit zu geben, sich weiterzuentwickeln genauso wie es für die Spieler der U19 wichtig ist, bereits höherklassige Erfahrungen im Herrenbereich zu sammeln. Daran arbeiten wir aktuell mit Nachdruck, das auch weiterhin aufrecht halten zu können.

Mit der U17 und U15 wollen wir insbesondere individuell erfolgreich sein und darüber hinaus jedes Jahr in der Nordrheinliga aktiv sein. Dafür müssen wir jeweils mindestens vierter werden, wonach es aktuell auch jeweils aussieht.

Mit der Schulmannschaft, die in der WK II im Großteil aus Spielern der Akademie bzw. des Internats besteht, konnte dieses Jahr das Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia erreicht werden. Wäre die Veranstaltung nicht aufgrund des Corona-Virus‘ abgesagt worden, wäre das ein weiteres Highlight der Mannschaft von Trainer Thomas Möller geworden.

 

Nach knapp 2 Jahren Arbeit beim VfL Gummersbach. Wie zufrieden seid ihr mit der Entwicklung die ihr genommen habt?

Wir haben vieles geschafft zu verbessern, haben aber immer noch einiges vor der Brust. Dass wir aktuell bis zu 4 Einheiten pro Woche am Vormittag durchführen können, ist dank unserer Partnerschule des Leistungssports von der Gesamtschule Marienheide ein ganz wesentlicher Schritt in die richtige Richtung. Doch auch Spieler anderer Schulen erhalten individuell die Möglichkeit am Training vor dem Unterricht teilzunehmen. Was uns natürlich sehr nach vorne bringt. Ebenso haben wir einen Shuttle einrichten können, der die Spieler nach dem Vormittagstraining zur Gesamtschule bringt, damit die Spieler dort pünktlich in den Unterricht zurückkehren können. In Kombination mit dem Nachführunterricht, der zweimal die Woche stattfindet sowie der wöchentlichen individuellen Lernbetreuung die samstags in unserem Teilinternat im Victors Residenz Hotel stattfindet, sind wir auch dort sehr gut aufgestellt. Ebenso übernimmt mit Gunnar Schmidt ein langjähriger Mitarbeiter der Akademie nach einer zwischenzeitlichen Auszeit den Part des Laufbahnberaters und kümmert sich um die schulische Anschlussförderung unserer Spieler. Praktika, Studium, Ausbildung und Ausbildungsplätze sind über ihn schon zahlreich vermittelt worden, sodass wir auch hier einen weiteren Baustein dazu gewinnen konnten.

Ein weiteres Beispiel wie wir Spieler an uns binden wollen, ist die Einrichtung eines Shuttles in die Region um Bonn herum, über die wir bis zu 8 Spieler zweimal pro Woche nach Gummersbach holen, um so Spieler regelmäßig ins Training holen zu können und Eltern ein wichtiges Gut heutzutage ermöglichen können: nämlich Zeit. Das kommt bisher sehr gut an und bietet uns natürlich auch ganz andere Möglichkeiten, Spieler von außerhalb an uns zu binden.

 

Was ist ein besonderes Merkmal eurer Arbeit?

Ein besonderes Merkmal unserer Arbeit ist unsere Vielfältigkeit. Kein Tag ist gleich dem anderen weil wir mit Jugendlichen, Eltern, Fans, Sponsoren sowie damit verbunden mit verschiedenen Charakteren und Merkmalen sowie Voraussetzungen arbeiten müssen. Dazu kommt natürlich auch, dass die Teamarbeit im Trainerstab mit vier Mannschaftstrainern intensiv ist weil sie es auch sein muss. Wir gehen die uns gestellten Aufgaben ganzheitlich aber eben auch individuelle an und lösen sie.

Letztendlich befinden wir uns aber im Leistungssport und müssen demnach ein paar klare Regeln befolgen. Das Thema Wertvermittlung ist dabei ein ganz zentraler Punkt. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche, was in unserem Fall zum einen der Handball ist. Dort wollen wir gemeinsam mit den Spielern den Weg vom Jugend- über den Nachwuchs- zum – im Idealfall – Bundesligaspieler entwickeln. Und das jederzeit gemeinsam mit dem Spieler. Auf der anderen Seite gibt es aber natürlich das Thema Schule. Dort wollen wir zusammen mit der Schule die Jungs für die Zeit nach der Schule bestmöglich vorbereiten und ihnen auch für den Fall, dass es mit dem Handball nicht bis nach ganz oben klappt, ein gutes Rüstzeug an die Hand geben, mit dem sie sich im späteren Arbeitsleben durchsetzen können. Und das geht nur, wenn sie bereit sind, in der Jugend auf viele Dinge zu verzichten, die ihre Freunde machen können, sie selber aber eben nicht.

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