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Historie


Vordere Reihe v.l.n.r.: Daniel Narcisse; François-Xavier Houlet; Nándor Fazekas; Christian Ramota; Goran Stojanovic; Robert Gunnarsson; Gudjon Valur Sigurdsson
Mittlere Reihe: Mori Azghandi (Physiotherapeut); Denis Zakharov; Sverre Andreas Jakobsson; Momir Ilic; Alfred Gislason (Trainer); Dr. Thomas Koppelberg (Mannschaftsarzt)
Hintere Reihe: Im Rahmen: Gudlaugur Arnarsson (l.) und Milan Vucicevic (r.); Jörg Lützelberger; Michael Spatz; Bennet Wiegert; Vedran Zrnic; AlexisAlvanos

VfL Gummersbach

Überraschende Wandlungen


Im Sommer standen die Sterne für den VfL Gummersbach noch scheinbar ungünstig. Zwar gelang dem Rekordmeister im Mai erstmals die Qualifikation zur Champions League. Aber nach der erfolgten großen Zäsur – acht Spieler verließen den Club im Sommer, acht neue Profis kamen – zählten die Oberberger nicht zu den Topfavoriten in der Bundesliga.

Viele Experten erwarteten zumindest eine Stagnation, wenn nicht gar einen herben Rückschritt, nachdem der VfL seit dem Jahr 2001, als erstmals der Schritt in die Kölnarena gewagt wurde, eine kontinuierliche Erfolgsgeschichte schreiben konnte. Der emotionale Tiefpunkt waren Anfeindungen, die dem VfL-Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Peter Krämer und Geschäftsführer Stefan Hecker galten, weil sie die koreanische VfL-Legende Kyung-Shin Yoon, die seit 1996 Tore für den VfL Tore geworfen hatte, gen Hamburg hatten ziehen lassen.

Doch als die Saison begann, waren die Geräusche der Kritiker plötzlich verstummt. Denn die Blau-Weißen gerieten in einen Lauf, den niemand erwartet hatte. Es zeigte sich, dass die Transfers fast alle einschlugen. Nach einem hart erkämpften Sieg im Schlüsselspiel gegen den SC Magdeburg (29:24) und dem spektakulären Auswärtserfolg beim THW Kiel (39:37) hatte das völlig neu formierte Team so viel Selbstvertrauen getankt, dass viele Aktionen wie von selbst gelangen.

Der Gruppensieg in der Champions League war nicht erwartet worden, auch nicht die wochenlange Tabellenführung, die der VfL erst am 14. November mit der 29:34-Niederlage in Lemgo verlor. Vor allem das moderne Tempospiel, das der neue Trainer Alfred Gislason einstudieren ließ, klappte meistens vorzüglich. Da der VfL zuletzt unter Velko Kljaic im Angriff auf Positionsspiel setzte, hat der VfL also eine erstaunliche Metamorphose hinter sich.

Die anhaltende Renaissance des Clubs hat viele Väter. Der isländische Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson hat sein exorbitant hohes Leistungsniveau aus dem Vorjahr fast halten können; der 27-jährige VfL-Kapitän gilt mit seiner vorbildlichen Einstellung als das Herz der neuen Mannschaft. Der wurfgewaltige Halblinke Momir Ilic hat die Erwartungen bisher weit übertroffen, zumal der Serbe auch in der Abwehr herausragende Arbeit abliefert. Der kroatische Olympiasieger Vedran Zrnic, der wie Ilic vom slowenischen Topverein Gorenje Velenje kam, hat seine Form konstant gesteigert; die Trickwürfe und Siebenmeter des Rechtsaußen verkörpern Weltklasse.

Der Grieche Alexis Alvanos, der aus Wetzlar kam, hat ebenfalls immer besser in das schnelle Spielsystem Gislasons hineingefunden. Der vielseitige Bennet Wiegert (aus Wilhelmshaven) spielt bislang eine solide Saison. Und vor allem die beiden Torleute, der ungarische Nationalkeeper Nandor Fazekas (aus Lübbecke) und der Montenegriner Goran Stojanovic (aus Pfullingen), waren bisher ein überragender Rückhalt. Die zentrale Figur in Gislasons Spieltaktiken ist aber zweifelsfrei Daniel Narcisse, den Gislason „mein Anführer“ nennt. Als zu Saisonbeginn der etatmäßige Mittelmann François-Xavier Houlet verletzt ausfi el und der Markt keinen Ersatz bot, entschied VfL-Coach Gislason kurzerhand, den Franzosen umzuschulen. Noch dazu prognostizierte der isländische Coach, aus dem gelernten Halblinken Narcisse den „besten Mittelmann der Welt“ zu formen.

Nicht wenige fanden dies kühn und verwegen. Heute, nur drei Monate später, stuft auch Bundestrainer Heiner Brand den 135maligen französischen Nationalspieler als überragend ein. „Für mich ist er momentan der beste der Welt“, sagt Sigurdsson, der gemeinhin nicht zu Übertreibungen neigt. Trotz der Superform, in der sich der ausgesprochen torgefährliche Narcisse befindet, startet Gastgeber Gummersbach trotz des Heimvorteils insofern als klarer Außenseiter in die Club-EM, weil er,. anders als die drei weiteren Teilnehmer, sich nicht durch einen Europapokalsieg empfohlen hat.

Alfred Gislason
Mitte der 1990er Jahre hatte sich Alfred Gislason ein ruhiges Leben eingerichtet.

Nach seiner Zeit als Handballprofi , in der unter anderem mit TuSEM Essen zweimal Deutscher Meister geworden war (1986, 1987), betrieb der 47-Jährige in seinem nordisländischen Geburtsort Akureyri eine Gastronomie und trainierte nebenher das örtliche Handballteam. Aber als ihn Hameln 1997 mit einem Job in der Bundesliga lockte, konnte Gislason nicht widerstehen – und unterschrieb. Trotz des Hamelner Abstiegs verpflichtete ihn danach der SC Magdeburg.

Nicht zu ihrem Nachteil, denn unter dem studierten Historiker Gislason feierten die Sachsen-Anhaltiner nicht nur 2001 ihre erste gesamtdeutsche Meisterschaft. Sondern auch – als bisher einziges deutsches Team – den Triumph in der Champions League (2002). Gislason, dem ein Ruf als untadeliger Sportsmann vorauseilt, gilt als akribischer, fast besessener Detailfanatiker.

Seit dem Sommer 2006 arbeitet er in Gummersbach und lässt hier seinen Tempohandball spielen – mit bisher großem Erfolg.

Vereinsdaten
VfL Gummersbach
VfL Handball Gummersbach GmbH
Schützenstraße 10
51643 Gummersbach

Internet: www.vfl-gummersbach.de

Gründungsjahr: 1861

Internationale Erfolge:
1967 Pokal der Landesmeister
1970 Pokal der Landesmeister
1971 Pokal der Landesmeister
1972 Finale Pokal der Landesmeister
1974 Pokal der Landesmeister
1978 Pokal der Pokalsieger
1979 Pokal der Pokalsieger
1979 Europameister der Vereine
1980 Finale Pokal der Pokalsieger
1982 Gewinner des IHF-Pokals
1983 Pokal der Landesmeister
1983 Europameister der Vereine

Nationale Erfolge:
12x Deutscher Meister
(1966, 1967, 1969, 1973-1976, 1982, 1983, 1985, 1988, 1991)

5x Deutscher Pokalsieger
(1978, 1979, 1982, 1983, 1985)

Tor
1 Nándor Fazekas 16.10.1976 HUN 1,92
16 Christian Ramota 14.04.1974 GER 1,98
12 Goran Stojanovic 24.02.1977 MON 1,92
Rückraum
2 Gudlaugur Arnarsson (RR) 07.10.1978 ISL 1,93
8 Denis Zakharov (RR) 17.04.1984 RUS 2,00
9 Francois-Xavier Houlet (RM) 08.07.1969 FRA 1,88
11 Daniel Narcisse (RL) 16.12.1979 FRA 1,89
13 Momir Ilic (RL) 22.12.1981 SER 2,0
14 Sverri Andreas Jakobsson (RM) 08.02.1977 ISL 1,95
21 Alexandros Alvanos (RR) 09.04.1980 GRE 1,88
28 Milan Vucicevic (RR) 02.04.1978 SER 2,02
Außen
3 Bennet Wiegert (LA) 25.01.1982 GER 1,93
19 Michael Spatz (RA) 25.11.1982 GER 1,86
22 Gudjon Valur Sigurdsson (LA) 08.08.1979 ISL 1,87
77 Vedran Zrnic (RA) 26.09.1979 CRO 1,88
Kreis
18 Robert Gunnarsson 22.05.1980 ISL 1,91
31 Jörg Lützelberger 20.06.1985 GER 1,85
Trainer
  Alfred Gislason 07.09.1959 ISL 1,98