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Historie


Vordere Reihe (v.l.n.r.): Trainer Volker Mudrow, Co-Trainer Jürgen Franke, André Kropp, Michael Binder, Jörg Zereike, René Selke, Carsten Lichtlein, Florian Kehrmann, Logi Geirsson, Physiotherapeut Rüdiger Risch
Hintere Reihe: Sportlicher Leiter Volker Zerbe, Christian Schwarzer, Daniel Stephan, Sebastian Preiß, Malte Schröder, Tamas Mocsai, Filip Jicha, Michael Hegemann, Asgeir Örn Hallgrimsson, Markus Baur

TBV Lemgo

In Europa zu Hause


Schon immer stellte Ostwestfalen eine Art Herzkammer des deutschen Handballs dar. In den 1960er und 1970er Jahren sorgten Grün-Weiß Dankersen (heute GWD Minden) für große Furore, danach auch der TuS Nettelstedt, der heute TuS N-Lübbecke heißt. Seit zehn Jahren aber dominiert mit dem TBV Lemgo ein dritter Verein diesen traditionellen Handballraum – und noch mehr: Seitdem der Club 1996 gegen den spanischen Spitzenclub Santander sensationell den Europapokal der Pokalsieger gewann, zählen die Mannen aus der alten Hansestadt, die heute rund 42 000 Einwohner ihr zu Hause nennen, zum Establishment des europäischen Handballs. Fast durchgängig qualifi zierte sich der zweifache Deutsche Meister (1997, 2003), der 2002/03 mit dem Stilmittel der „Schnellen Mitte“ einen radikalen Tempohandball etablierte, als er einen sagenhaften Hinrunden-Rekord aufstellte (34:0 Punkte), für einen europäischen Wettbewerb.

Als die Mannschaft von Volker Mudrow im Frühjahr mit dem Gewinn des EHF-Pokals einen zweiten europäischen Titel einfuhr, galt dies nicht mehr als Sensation – was den Jubel in Lemgo nicht schmälerte. Vor allem freute es Spieler und Fans, dass man mit den Finalsiegen gegen Frisch Auf Göppingen dem TBV-Urgestein Volker Zerbe ein passendes Abschiedsgeschenk bereiten konnte. Der Linkshänder wechselte danach vom Handballfeld an den Schreibtisch und ergänzt als Sportlicher Leiter das „Gesicht des Clubs“, den ehemaligen Keeper Fynn Holpert. Der Geschäftsführer hatte diesen Weg 1998 erfolgreich beschritten.

Den zweifellos vorhandenen Standortnachteil gegenüber Großstadtclubs wie dem HSV Hamburg gleicht er bisher durch kaufmännisches Geschick und großes Gespür für talentierte Spieler aus. Ein wichtiger Baustein, der Ausbau der Lipperlandhalle auf nunmehr 5 200 Plätze, ist kürzlich erfolgreich abgeschlossen worden.

Auch in diese Saison ist der TBV außerordentlich stark gestartet – viel besser jedenfalls, als einige Experten nach dem Verlust Zerbes gemutmaßt hatten. Mit dem 31:31 in Flensburg und dem 34:29 zu Hause gegen Gummersbach unterstrich der Club seine Meisterschaftsambitionen und übernahm zwischenzeitlich sogar die Tabellenführung. Trainer Mudrow kann dabei immer noch auf jenes Korsett bauen, dass in den letzten Jahren als „TBV Deutschland“ bekannt wurde, da es fast geschlossen auch in der Nationalmannschaft spielte. Zwar ist der 37-jährige Kreisläufer Christian Schwarzer nach den Olympischen Spielen in Athen aus dem Brand-Team zurückgetreten.

Aber im Club gehört „Blacky“ mit seiner Erfahrung und Cleverness immer noch zu den wichtigsten Akteuren; wie einst bei Brand fungiert er mit seiner Leidenschaft und als Motivator als eine Art „heimlicher Kapitän“ der Mannschaft.

Nach einer langen Fußverletzung wieder gut in Form gekommen ist Markus Baur, der Nationalmannschaftskapitän. Baur besticht nach wie vor durch seine Übersicht im Aufbauspiel, hervorragende Anspiele an den Kreis und auch durch eine außerordentlich hohe Wurfquote bei Siebenmetern. Daniel Stephan, der Welthandballer des Jahres 1998, der über ähnliche Fähigkeiten wie Baur verfügt, fehlt bei der Club-EM leider wegen einer Verletzung – wie auch Florian Kehrmann, der einsatzfreudige Rechtsaußen, der in den letzten Jahren zu einem der populärsten deutschen Handballer wurde. Der tschechische halblinke Filip Jicha stellt mit seinen brachialen Sprungwürfen absolute Weltklasse dar, und auch der neue ungarische Halbrechte Tamas Mocsai hat sich als Zerbe-Nachfolger schneller integriert als erwartet. Torhüter Carsten Lichtlein, Rückraumspieler Michael Hegemann und Kreisläufer Sebastian Preiß sind etablierte Nationalspieler.

Und Linkshänder Logi Geirsson verfügt mit seinen ansatzlosen Sprungwürfen ebenfalls über internationales Format. Mit Lemgo ist also zu rechnen in Köln. Zumal mit dem VfL Gummersbach ein Gegner im Halbfi nale wartet, gegen den die Ostwestfalen zuletzt immer gut aussahen.

Volker Mudrow
Mitte der 1990er Jahre hatte sich Alfred Gislason ein ruhiges Leben eingerichtet.

Sie begann 1998 zufällig, die noch junge Trainerkarriere von Volker Mudrow. „Mu“, wie sein Spitzname lautet, hatte seine Profi -Karriere wegen einer schweren Knieverletzung eben beendet, da fragte der MTV Braunschweig den gelernten Bankkaufmann und Physiotherapeuten, ob er nicht den vakaten Trainerposten übernehmen wolle. „Na gut“, hat er sich zwei Aufstiege später dann gesagt, „ich versuch’ das jetzt mal“, und nach der Zwischenstation letztes Jahr in Hameln kam er 2002 zum TBV Lemgo, bei dem er selbst einst gespielt hatte. Als er dort in seinem ersten Jahr auf Anhieb die deutsche Meisterschaft feierte, war er gerade einmal zarte 33 Jahre alt.

Inmitten der Euphorie verlor er sein bescheidenes Auftreten nicht. Immer ruhig und sachlich, drängt sich Mudrow nie in den Vordergrund. Dass er mit dem EHF-Pokal nun schon seinen zweiten Titel als Trainer feiern konnte, wundert Geschäftsführer Fynn Holpert nicht: „Er ist ein sehr sensibler Mensch, der die Stimmung in einer Mannschaft lesen kann.“

Vereinsdaten
TBV Lemgo
Spielbetriebs- und Marketing GmbH & Co. KG
Kramerstr. 1
32657 Lemgo

Internet: www.tbv-lemgo.de

Gründungsjahr: 1911

Internationale Erfolge:
1996 Pokal der Pokalsieger
2006 EHF-Cup-Sieger

Nationale Erfolge:
1995 DHB-Pokalsieger
1997 Deutscher Meister
1997 DHB-Pokalsieger
1997 Supercup-Sieger
1999 Supercup-Sieger
2002 DHB-Pokalsieger
2002 Supercup-Sieger
2003 Deutscher Meister
2003 Supercup-Sieger

Tor
1 Carsten Lichtlein 04.11.1980 GER 2,02
12 Jörg Zereike 12.03.1978 GER 2,00
16 René Selke 24.07.1984 GER 1,92
Rückraum
4 Daniel Stephan (RM/RL) 03.08.1973 GER 1,98
9 Örn Asgeir Hallgrimsson (RR) 17.02.1984 ISL 1,94
10 Michael Hegemann (RL/RM) 19.03.1977 GER 1,94
14 Malte Schröder (RL) 16.02.1987 GER 1,98
18 Tamas Mocsai (RR) 09.12.1978 HUN 1,96
22 Markus Baur (RM) 22.01.1971 GER 1,90
39 Filip Jicha (RL) 19.04.1982 CZE 2,00
Außen
15 Florian Kehrmann (RA) 26.06.1977 GER 1,86
17 Michael Binder (LA) 04.08.1981 GER 1,88
23 Logi Geirsson (LA) 10.10.1982 ISL 1,90
Kreis
7 Sebastian Preiss 08.02.1981 GER 1,95
8 Christian Schwarzer 23.10.1969 GER 1,98
31 Andre Kropp 08.09.1984 GER 1,88
Trainer
  Volker Mudrow 30.06.1969 GER 1,87