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Es war noch nicht alles Gold, aber die Idee wurde für gut befunden. „Allgemein war man der Ansicht, dass dieser Goldcup zu einem Höhepunkt im Handballgeschehen werden könne, wenn er zur richtigen Zeit ausgespielt würde“, schrieb das Fachorgan Handballwoche im Jahre 1979, als der Vorläufer der heutigen Club-Europameisterschaft aus der Taufe gehoben war. Der 2 500 Mark teure „Goldcup“, den die Internationale Handball-Föderation (IHF) gestiftet hatte, wurde fortan ausgespielt zwischen den Siegern der damals einzigen Europapokalwettbewerbe: Der Gewinner in der Konkurrenz der Landesmeister traf auf den Gewinner des Pokalsiegerwettbewerbs. Daher geriet die erste Austragung zu einer rein bundesdeutschen Angelegenheit. Im Duell der Erzrivalen traf der Landesmeisterchampion TV Großwallstadt auf den VfL Gummersbach – und der Favorit verlor recht deutlich: Mit 14:9 (5:6)-Toren setzten sich die Gummersbacher in Dortmund durch, obwohl Schlüsselspieler Heiner Brand wegen eines Muskelfaserrisses passen musste. Aber der TVG war machtlos gegen die mächtigen Sprungwürfe Sepp Wunderlichs (sechs Tore) und die Superform des VfL-Keepers Rudi Rauer. „Wir sind in der zweiten Hälfte im Ansturm der Gummersbacher regelrecht untergegangen“, bekannte hinterher der neue TVG-Trainer Rüdiger Schmacke. „Unsere von Trainer Ivanescu glänzend eingestellte Mannschaft spielte in der Deckung unwahrscheinlich stark. Das war der Schlüssel zum Erfolg“, freute sich VfL-Manager Eugen Haas über einen weiteren Titel auf dem Briefkopf des Clubs. Nur die Resonanz ließ zu wünschen übrig, da dieser Wettbewerb noch nicht die nötige Tradition aufweisen konnte. Die Handballwoche verzeichnete „kümmerliche 3.000 Zuschauer im Riesenrund der Dortmunder Westfalenhalle“. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Wettbewerb, der in wechselnden Standorten ausgetragen wurde, zu einer Domäne der damals dominierenden deutschen Clubmannschaften. 1980 in München setzte sich Großwallstadt gegen Calpisa Alicante durch (19:15), 1981 siegte der DDR-Meister SC Magdeburg im innerdeutschen Duell in Dortmund gegen den TuS Nettelstedt (24:19), und 1982 triumphierte Empor Rostock vor heimischer Kulisse mit 31:27 n.V. gegen Honved Budapest. Und 1983 trug sich der VfL, der kurz zuvor den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte, zum zweiten Mal in die Siegerliste ein. Gegen die „Handballsoldaten“ (Handballwoche) von SKA Minsk, deren Weltklasse-Flügel Karschakewitsch und Chevzov an diesem Tag blass blieben, siegten die Oberberger knapp mit 17:16-Toren – trotz der Querelen um Erhard Wunderlich, der kurz vor seinem Wechsel zum FC Barcelona stand. Matchwinner damals: der junge Keeper Andreas Thiel, der neben drei parierten Siebenmetern auch „eine ganze Reihe von gemeisterten Scharfschüssen“ verbuchen konnte. Als vor zehn Jahren in Bielefeld die erste „European Championships for Clubteams“, wie die Club-EM offi ziell heißt, erstmals unter der Verantwortung der 1993 gegründeten Europäischen Handball-Föderation (EHF) ausgespielt wurde, hielt sich das Interesse der Handballfans ebenfalls noch in Grenzen. „Schaulaufen vor leeren Rängen“, hieß es im Januar 1997 in der Handballwoche, da nur 1 500 Zuschauer den Weg in die Seidenstickerhalle gefunden hatten. Ausrichter war damals der TBV Lemgo, der im Sommer 1996 den Europapokal der Pokalsieger gewonnen hatte. Das Endspiel im Ostwestfälischen mutierte zu einer katalanischen Meisterschaft, als der FC Barcelona die Rivalen von BM Granollers besiegte. „Die EHF-Funktionäre wollen das Turnier weiter institutionalisieren“, hieß es damals. Und tatsächlich hat die in Wien ansässige EHF dieses Turnier seitdem sehr erfolgreich weiterentwikkelt. Die Modifi zierung, das Treffen der besten europäischen Clubteams zu einem Viererturnier zu machen und mit dem EHF-Pokalsieger und einen hochkarätigen Gastgeber aufzustocken, hat sich bewährt. Von einem „großartigen Handballfest“ sprachen Experten, als der THW Kiel das Turnier im Jahre 2001 austrug und die Ostseehalle mit insgesamt 14 000 Zuschauern zweimal ausverkauft war. „Wir haben hier Weltklasse-Handball gesehen“, freute sich der damalige EHF-Präsident, der Schwede Staffan Holmquist. Der Sieger (SC Magdeburg) nahm 42 000 Mark Prämie mit nach Hause. Auch die Austragungen in Magdeburg (2002), als der SCM mit Siegen gegen das aufstrebende Ciudad Real und Fotex Veszprem die Titelverteidigung gelang, oder im spanischen Leòn (2005) waren sehr erfolgreiche Veranstaltungen – auch hinsichtlich der Zuschauerresonanz. Heute zählt die Club-EM jedenfalls zu den Höhepunkten des internationalen Handballkalenders. Die sportlichen Kräfteverhältnisse haben sich im letzten Jahrzehnt freilich erheblich verändert. Mit insgesamt fünf Erfolgen bei der Club-EM (1996-1999, 2003) steht der FC Barcelona, die erfolgreichste Mannschaft der Handballgeschichte, auch an der Spitze dieses Rankings. 2000 siegte Portland San Antonio, das Team aus der Stierkampfmetropole Pamplona, im letzten Jahr der derzeit sicher stärkste Club der Welt, Ciudad Real, der aktuelle Champions-League-Sieger. Allein der slowenische Meister Celje Pivovarna Lasko (2004) und der SC Magdeburg (2001 und 2002) konnten die „spanische Phalanx“ bisher durchbrechen. Nach Lemgo (1996), Magdeburg (1999, 2002) und dem THW Kiel (2001) darf der VfL Gummersbach nun als vierter deutscher Verein die Club-Europameisterschaften organisieren. Dass diese Veranstaltung einen neuen Zuschauerrekord sieht, das garantieren die vielen Fans, die in die riesige Kölnarena pilgern, die größte Veranstaltungshalle Europas. |